Esterhazy Art Award 2021

Preisträger: Sára Luca Rózsa, Kata Tranker und Ádám Ulbert
Die Werke der 26 nominierten Künstler werden vom 1. Dezember 2021 bis zum 13. Februar 2022 unter dem Titel „Young Scene Hungary – Short List 2021 – Esterházy Art Award“ im Ludwig Museum – Museum für zeitgenössische Kunst in Budapest gezeigt.
Die Esterhazy Privatstiftung widmet die diesjährige Ausstellung Paul V. Esterházy (1901-1989), dem großen Förderer der ungarischen Wissenschaft und Kultur.

Young Scene Hungary – Short List 2021 – Esterházy Art Award


282 Bewerbungen sind für die “Short List 2021” eingegangen. Aus diesem beeindruckenden Potenzial nominierte die Jury 26 Künstlerinnen und Künstler. Aufgrund ihrer Größe und ihres Auswahlverfahrens gilt die Ausstellung zum Esterházy Art Award als die bedeutendste Überblickspräsentation der jungen Kunstszene Ungarns. „Wir freuen uns sehr, mit dem Ludwig Museum Budapest dafür den denkbar besten Partner gefunden zu haben,“ so Stefan Ottrubay, Direktionsrat der Esterhazy Stiftungen.


Die kulturelle Bedeutung des Esterházy Art Awards liegt nicht allein in der Förderung der zeitgenössischen Kunst, sondern auch im möglichen Erkennen gesellschaftlich neuer Tendenzen und Denkweisen.


Überraschend viele der in der Short List 2021 gezeigten künstlerischen Positionen sind beispielsweise von einem großen Interesse für Materialität und Körperlichkeit geprägt. Auch viele erzählerische Ansätze sind bei den Nominierten auszumachen.

Die Ausstellung versucht diesen neuen Tendenzen sichtbar zu machen, indem viele künstlerische Positionen nicht wie üblich isoliert im Raum präsentiert werden, sondern im Dialog miteinander stehen. Eine der gezeigten künstlerischen Positionen verteilt sich über alle Ausstellungsräume. In der Ausstellung kann vom Besucher überprüft werden, ob sich aus den „Wahlverwandtschaften“ produktive Freundschaften oder gefährliche Konkurrenzen über die Grenzen des jeweiligen künstlerischen Kosmos hinweg ergeben.

Die nominierten Künstler

Nikolett Balázs, Krystyna Bilak, Márta Czene, Ádám Dallos, Ádám Dóra, Zachary Fábri, Márk Fridvalszki, Bálin Horesnyi, Emese Kádár, EJTECH – Judit Eszter Kárpáti und Esteban de la Torre, Adrian Kiss, Adrienn Mária Kiss, Gábor Koós, Áron Kútvölgyi-Szabó, Tamás Melkovics, Barnabás Neogrády-Kiss, Gábor Pintér, Sára Luca Rózsa, Klára Rudas, Rita Süveges, Zsófia Schwéger, Eszter Szabó, Erik Tollas, Kata Tranker, Dominika Trapp, Ádám Ulbert.

Nach mehreren Stichwahlen einigte sich die Expertenjury auf die folgenden diesjährigen Preisträger des Esterhazy Art Awards: Sára Luca RÓZSA, Kata TRANKER und Ádám ULBERT. An sie ergeht der mit insgesamt EUR 15.000 dotierte Preis zu gleichen Teilen.

Jurybegründung zu Sára Luca Rózsa:

Luca Sára Rózsa (1990 Budapest, lebt und arbeitet in Budapest) hat eine starke malerische Position mit psychoanalytischen Anklängen entwickelt, die sie als sehr gegenwärtige Künstlerin erkennen lässt. Ihre großformatigen Tafelwerke zeigen nackte Körper in eigentümlichen Kulturlandschaften und erinnern an Porträtdarstellungen der Renaissance. Bei aller malerischer Könnerschaft ist Luca Sára Rózsa jedoch nicht an bloßer Abbildung oder Repräsentation interessiert, vielmehr geht sie in die Tiefe, in die Untersuchung einer psychischen Ebene von Subjekt und Natur, die auf Spannungen bis hin zu Spaltungen innerhalb der Persönlichkeiten hinweisen, und im Versuch ein Arkadien zu finden, einen Ausweg aus dem Heute hin zu einer anderen Welt, läge sie nun in der Zukunft, oder doch in der Vergangenheit. Ihr Werk ist insofern nur allzu passend für unsere komplexen Zeiten.

Jurybegründung zu Kata Tranker:

Es ist das dritte Mal in Folge, dass Kata Tranker (1989 Székesfehérvár, lebt und arbeitet in Budapest) für den Esterházy Art Award nominiert wurde. Die Jurymitglieder hatten damit Gelegenheit, sie auf ihrem Weg zu begleiten und zu erleben wie sich ihr Werk von der Verwendung eines ausgesprochen kleinen Maßstabs und ephemerer Materialien in den Jahren 2015, über erste skulpturale Ansätze 2019 hin zu ihren heutigen, eindrucksvollen Installationen entwickelt hat. Ihre anthropomorphen Fantasiewesen greifen mythologische und prähistorische Erzählungen sowie die Welt der Science-Fiction auf und thematisieren gleichzeitig ihre subjektiven, persönlichen Erfahrungen des Zusammenlebens und der Mutterschaft. Trankers Neugier auf ein breites Spektrum wissenschaftlicher Bereiche ist gepaart mit ihrem Interesse an einer Kunst, die in das tägliche Leben eindringt und die Realitäten überschreitet.

Jurybegründung zu Ádám Ulbert:

Der Künstler Ádám Ulbert (1984 Budapest, lebt und arbeitet in Budapest), der in Amsterdam studierte, ist in jeder Hinsicht eine individuelle, reife und internationale Stimme in der ungarischen Kunstszene. Seine ausdrucksstarken Bilder und Skulpturen vermischen wissenschaftliche Theorien mit mythologischem Topos zu sehr persönlichen Erzählungen. In seiner jüngsten Serie erforscht er die exotische Sprache der japanischen Kultur im Kontext des Familienerbes und beschreibt ein nie dagewesenes, bizarres Ziel der Enttäuschung. Seine figurativen Leinwände und dreidimensionalen Bronzeskulpturen offenbaren die metaphorischen Möglichkeiten der imaginativen Freiheit, die heute besonders aktuell sind.

Jury

Sandro Droschl, Direktor Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien

Dr. Julia Fabényi, Direktorin des Ludwig Museum Budapest

Dr. Stefan Ottrubay, Direktionsrat der Esterhazy Stiftungen, Gründer des Preises

Gábor Rieder, PhD, Kunsthistoriker, Kurator, Kunstjournalist, künstlerischer Leiter Artkartell, Budapest

Zsuzsanna Szegedy-Maszák, PhD, Kunsthistorikerin,Kuratorin, leitende Museologin des historischen Bildarchives von dem Ungarischen Nationalmuseum, Budapest

Vitus Weh, Berater für zeitgenössische Kunst der Esterhazy Privatstiftung

Luisa Ziaja, Kuratorin Belvedere 21, Wien

Im Frühjahr 2022 wird eine Ausstellung der Preisträger im Weißen Saal des Schlosses Esterházy in Eisenstadt gezeigt und die Installation entlang der Feststiege von Ádám Ulbert fertiggestellt.

Förderung zeitgenössischer Kultur durch Fürst Paul V. Esterházy
Eine ganz besondere Anerkennung in der Ausstellung erfährt Fürst Paul V. Esterházy (1901-1989), der bereits 1937 einen Kunstpreis begründete. Marcell Esterházy hat dessen mäzenatische Wirken für das ungarische Kulturschaffen, das den Esterhazy Stiftungen bis heute als Vorbild dient, in einer künstlerischen Installation aufgearbeitet.

Im ersten Raum der Ausstellung wird ein Video mit dem Titel „die kurze Geschichte von Paul E.” gezeigt, ein Werk von Marcell Esterházy (1977), der seit vielen Jahren Familienarchive für seine künstlerische Praxis nutzt. Seine Videocollage ist eine subjektive Darstellung des Lebens und des Mäzenatentums von Paul V. Esterházy. Sie erzählt die Geschichte der Familie Esterházy, zeigt Presseberichte der frühen 1940er Jahre über den von ihm gestifteten Kunstpreis und zeigt interessante Parallelen zwischen Fotos,

die während des Mindszenty-Schauprozesses 1949 aufgenommen wurden, und Dankesbriefen von Malern, die einige Jahre zuvor an Paul V. Esterházy gerichtet wurden.

Die Fürsten Esterházy förderten über Jahrhunderte immer wieder das Musikschaffen und die bildende Kunst ihrer Zeit. Dass auch der letzte amtierende Fürst, Paul V. Esterházy, ein bedeutender Mäzen war, ist erst jüngst durch die Forschung entdeckt worden. Er rettete die darniederliegende ungarische Akademie der Wissenschaften, das ungarisch königliche Opernhaus und viele Musikveranstaltungen wurden von ihm sehr großzügig unterstützt. Die bildenden Künstler seiner Zeit förderte er durch Ankäufe und Auftragswerke. Aber auch an begabte Jurastudenten und für Forschung im Bereich der Medizin wurden von ihm Stipendien vergeben.

Im Jahr 1937 initiierte er erstmals einen Kunstpreis, der bis 1942 jährlich von der Ungarischen Gesellschaft für bildende Künste in den Kategorien ungarische historische Malerei, ungarische Genremalerei und Bildhauerei vergeben wurde. Erst der 2. Weltkrieg und der darauffolgende Regimewechsel samt seiner Inhaftierung beendeten sein breites Mäzenatentum.

Über den Esterházy Art Award

Der Kunstförderungspreis „Esterházy Art Award“ wird seit 2009 im Zwei-Jahres-Rhythmus für ungarische Künstler bis zum vollendeten 45. Lebensjahr vergeben. Ziel des Preises ist sowohl die Förderung der zeitgenössischen Kunst als auch des internationalen Dialogs. Mittlerweile gilt er als tonangebend für den zeitgenössischen Kunstmarkt, denn für zahlreich Künstlerinnen und Künstler bedeutet die Nominierung den Beginn der internationalen Karriere.

Die Esterhazy Privatstiftung begleitet die früheren Gewinner – Dániel Horváth, Ákos Siegmund, Borsos Lőrinc (2009), András Király, Ábel Szabó, Attila László Karácsonyi (2011), József Csató, Patrícia Kaliczka, Olívia Kovács (2013), Mira Dalma Makai, Tamás Kaszás, Zsolt Tibor (2015), Zsófi Keresztes, Ákos Ezer und Imre Nagy (2017), Andrea Éva Győri, Márton Nemes und Péter Puklus (2019) – auch auf ihren weiteren künstlerischen Werdegang.

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