Esterhazy Art Award 2019 vergeben

Éva Andrea Győri, Márton Nemes und Péter Puklus sind die drei Preisträger des Esterhazy Art Award 2019. Dieser Kunstpreis wird nur alle zwei Jahre verliehen, die begleitende Ausstellung der nominierten Künstler gilt als die wichtigste Leistungsshow der jungen Kunstszene in Ungarn.

Ausstellungsraum Esterhazy Art Awards 2019

Eine Expertenjury nominierte aus rund 260 Bewerbungen 25 Künstler. Ihre Werke werden vom 13. Dezember 2019 bis zum 26. Januar 2020 unter dem Titel „Short List 2019. Esterhazy Art Award“ im Ludwig Museum – Museum für zeitgenössische Kunst in Budapest gezeigt.

Im Rahmen der Preisverleihung am 12. Dezember übergab die Esterhazy Privatstiftung zudem das dokumentarische, 6-teilige Kunstwerk „FELDWEG, Lackenbach 2019” des Künstlers Lois Weinberger als Schenkung an das Ludwig Museum.

Short List 2019. Esterhazy Art Award

Die Bedeutung des Esterhazy Art Awards liegt nicht allein in der Preisvergabe, sondern auch in der zugehörigen Ausstellung. Aufgrund ihrer Größe, ihrer zentralen Positionierung und der Expertenauswahl der nominierten Künstler ist sie die wichtigste Überblickspräsentation der jungen Kunstszene Ungarns.

Die Ausstellung „Short List 2019. Esterhazy Art Award“ präsentiert 25 unterschiedliche Positionen der zeitgenössischen Kunst Ungarns und eröffnet zugleich Einblicke in die sich wandelnde Denk- und Produktionsweise dieser Jungen Szene. Auffallend häufig spiegeln sich in den gezeigten Werken die aktuellen Themen Bildmanipulation und Fake News sowie unser Verhältnis zur Natur wider. Hingegen sind einst wichtige Traditionslinien wie jene der Konkreten/Abstrakten Kunst und der Concept Art dünner geworden. Ebenso auffallend ist, dass sich die künstlerischen Positionen zunehmend in komplexen Rauminstallationen ausdrücken.

Liste der Nominierten:

Ádám Albert, Róbert Batykó, Sári Ember, István Felsmann, Márk Fridvalszki, Kitti Gosztola, Éva Andrea Győri, Dániel Halász, HeyWeSeeAskShowandDie (Árpád Csaba Horváth und Eszter Sipos), Dorottya Kalocsai, Adrian Kiss, Gábor Kristóf, Áron Kútvölgyi-Szabó, Péter Mátyási, Lilla Judit Molnár, Zsolt Molnár, Barbara Nagy, Márton Nemes, Péter Puklus, Anikó Süttő, Ottó Szabó, Péter Szalay, Gergő Szinyova, Kata Tranker, Ádám Ulbert.

Die Entscheidung fiel der Expertenjury nicht leicht: Alle 25 Künstler präsentieren in der Ausstellung sehr eigenständige und überzeugende Positionen. Nach mehreren Stichwahlen einigte sich die Expertenjury auf die folgenden diesjährigen Preisträger des Esterhazy Art Awards:

  • Éva Andrea Győri,
  • Márton Nemes und
  • Péter Puklus.

An sie ergeht der mit insgesamt EUR 15.000 dotierte Preis zu gleichen Teilen.

Jurybegründung:

Die künstlerische Praxis von Éva Andrea Győri (*1985 Budapest, lebt in Deutschland und den Niederlanden) zeugt von einer gleichermaßen schonungslosen wie lustvollen, politischen wie poetischen Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper, seiner Repräsentation und den machtvollen Normen und Tabus, die nach wie vor die Grenze zwischen privat und öffentlich bestimmen. Ihre Zeichnungen, Skulpturen und Videos thematisieren Sexualität, Phantasien und Praktiken der Masturbation, aber auch die mentalen, physischen und sozialen Auswirkungen von Erkrankungen auf das Individuum. Győri schreibt sich damit in die Tradition der feministischen Avantgarde ein und diese fort – kämpferisch und optimistisch im Blick habend, dass die Verhältnisse nicht so bleiben müssen, wie sie sind.

Márton Nemes (*1986 Székesfehérvár, lebt und arbeitet in London) wiederum überführt das zeitgenössische Genre der Bildkritik in die Abgründe des Techno-Glamours und das Hochamt des ungläubigen Thomas zugleich. Seine Bilder sind sowohl voller Öffnungen und Auflösungen, als auch voller Eruptionen, Farben und gestischer Lust. Die Wunden der Bildfläche sind wie bei Reliquien umsäumt, die Untergründe von Rahmen, Gerüst und Wand werden sichtbar und die visuelle Kultur der Techno-Partys ebenso. Thematisch übertragen verknüpft Nemes damit sehr aufhellend und heilend die Zumutungen von Social Media und Dating Plattformen mit der Verletzbarkeit des menschlichen Körpers.

Die Rauminstallation von Péter Puklus (*1980, lebt und arbeitet in Budapest) überrascht mit einem atemberaubenden Spagat: Er zeigt sowohl konzentrierte Fotografien, die in der Tradition der modernistisch-kühlen Formensprache die Potentiale des menschlichen Körpers veranschaulichen, als auch großformatige Leinwandbilder und Skizzen in gestisch-wilder Malerei. Thematisch kreisen beide Formen jedoch um den gleichen Kern: Das überforderte Selbst, aufgerieben zwischen den Ansprüchen von Beruf, Familie und körperlichem Begehren. Die Porträtkunst von Puklus schillert dadurch in erstaunlich lebendigen Facetten: In den Schönheiten von Klassizismus und Expressionismus zugleich.

Juroren:

  • Sandro Droschl, Direktor Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien
  • Dr. Julia Fabényi, Direktorin des Ludwig Museum Budapest
  • Dr. Stefan Ottrubay, Generaldirektor Esterhazy Privatstiftung, Gründer des Preises
  • Gábor Rieder, Chefredakteur des Kunstmagazins ArtKartell
  • Zsuzsanna Szegedy-Maszák, Kunsthistorikerin, Kurator, Leiterin der Budapest Galerie
  • Vitus Weh, Berater für zeitgenössische Kunst der Esterhazy Privatstiftung
  • Luisa Ziaja, Kuratorin Belvedere 21, Wien

Im Frühjahr 2020 wird eine Ausstellung der Preisträger in Schloss Esterhazy in Eisenstadt gezeigt, ebenso ist eine Ausstellung mit den früheren Gewinnern in Deutschland geplant.

Nachhaltige Förderung

Die Esterhazy Privatstiftung begleitet die früheren Gewinner – Dániel Horváth, Ákos Siegmund, Borsos Lőrinc (2009), András Király, Ábel Szabó, Attila László Karácsonyi (2011), József Csató, Patrícia Kaliczka, Olívia Kovács (2013), Mira Dalma Makai, Tamás Kaszás, Zsolt Tibor (2015), Zsófi Keresztes, Ákos Ezer und Imre Nagy (2017) – auch auf ihrem weiteren künstlerischen Werdegang.

Der Kunstförderungspreis „Esterhazy Art Award“ wird seit 2009 im Zwei-Jahres-Rhythmus für ungarische Künstler bis zum vollendeten 45. Lebensjahr vergeben. Ziel des Preises ist sowohl die Förderung der zeitgenössischen Kunst als auch des internationalen Dialogs. Er wird gleichrangig an mindestens zwei und maximal drei Künstler vergeben und ist je Preisträger mit EUR 5.000 dotiert.

FELDWEG

Das Kunstprogramm der Esterhazy Privatstiftung, „NOW – Esterhazy Contemporary“, veranstaltet nicht nur den Esterhazy Art Award, sondern fördert, sammelt und beauftragt unter der Leitung von Vitus Weh auch orts- und kontextspezifische Kunstwerke, um mit dem historischen Erbe der Fürsten Esterházy in Dialog zu treten.

Ziel ist es unter anderem, mit künstlerischen Interventionen alte Bezugsachsen und Gebäude wieder zu reaktivieren und Orte zu akzentuieren. Beispielhaft hierfür ist der FELDWEG, der in Zusammenarbeit mit dem zweimaligen documenta-Teilnehmer und Pionier der Natur-Kunst Lois Weinberger (*1947 in Tirol) aktuell im Renaissancegarten von Schloss Lackenbach entsteht.

Der Kunstweg besteht aus einem Pavillon um eine von Baumpilzen überwachsenen Figur sowie sieben im Park verstreuten bunten Wegrandhäuser. Von Station zu Station führt der Pfad durch eine der ältesten Besitzungen von Esterházy. In jedem Wegrandhaus befindet sich ein Gedicht sowie ein Stempel, mit dem sich eigene, wuchernde Wegenetze zusammenstellen lassen.

Im Ludwig Museum Budapest befindet sich nun das achte Wegrandhaus. Auch sein Stempel kann benutzt werden. Er lädt zugleich zu einem Ausflug nach Lackenbach ein, wo die anderen sieben Stempel zu finden sind. Der im Foyer der Ausstellung „Short List 2019. Esterhazy Art Award“ gezeigte, 6-teilige Werkkomplex von Lois Weinberger dokumentiert den FELDWEG und ist eine Schenkung der Esterhazy Privatstiftung an das Ludwig Museum Budapest.

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