Wandelhalle

12. September bis 4. Oktober 2021 vor Schloss Esterházy

Wandelhalle vor Schloss Esterházy

Das diesjährige HERBSTGOLD – Festival wird auf dem Vorplatz von Schloss Esterházy durch eine künstlerische WANDELHALLE begleitet. Sie fügt sich zusammen aus Werken der KünstlerInnen Ines Doujak und Martin Bischof. Ihre sich ergänzenden künstlerischen Entwürfe sehen ein „Haus im Umbau“ vor, sowie Liegestühle mit einem speziellen Metamorphosen-Motiv. Passend zum Festivalthema verwandelt sich damit auch das Publikum selbst: Es wird auf dem Vorplatz seinerseits zum Akteur. Beide Teile des künstlerischen Bühnenbildes laden ein zum Sitzen, Liegen und sich Wandeln.


Der Begriff „Wandelhalle“ stammt aus der Zeit der großen Kurorte. Bezeichnet wurden damit öffentliche Gebäude, in denen „prominiert“ wurde: Man ging umher, trank Heilwasser, traf Leute und kam auf neue Gedanken. An diese Tradition knüpft die WANDELHALLE auf dem Vorplatz an und transferiert sie zugleich in die Gegenwart. Auf dem grünen Rasen des Vorplatzes schafft das künstlerische Setting einen Raum, um, leicht abgerückt vom drängenden Alltag, in die Weite und in eine wünschenswerte Zukunft zu schauen: Welche Metamorphosen wären heute tröstlich, welche Arten eines göttlichen Zaubers notwendig? Wären es Verwandlungen der kulturellen und individuellen Identitäten? Wären es Verwandlungen der Gesellschaft und ein Umbau der Wirtschaftsordnung? Oder alles zusammen?

Die Basis des skulpturalen Angebots von Martin Bischof (*1979 in Bludenz) für das entsprechende Nachdenken bildet, parallel zum Schloss, ein langer, schmaler Laufsteg neben einem üppigen Blumenbeet. Auf dem Steg stehen luftige Lauben, die mit ihren gestaffelt gebauten Aufrissen einerseits die Dachgiebelsituation von Schloss Esterházy aufnehmen, andererseits mit ihrer Farbigkeit die Blumen vor Ort und die Metamorphosen-Deckenbilder im Haydnsaal. In ihrer Abfolge auf dem Laufsteg sind die Lauben gleichsam „verfliegende“ Realisierungsphasen eines schützenden Hauses. Die malerische Fassung verwandelt die provisorischen Konturen der Szenerie noch weiter.

Die Künstlerin Ines Doujak (*1959 in Klagenfurt) wiederum hat für die WANDELHALLE die Möblierung „PSYCHASTHENIA (Argos in Oruro)“ konzipiert: Zwanzig Liegestühle laden ein zum körperlichen Einfühlen und Verwandeln. Bespannt sind sie mit Stoffbahnen, die Szenen der Begegnung zwischen bunt gekleideten BolivianerInnen und einer steril weiß gekleideten, am ganzen Körper mit Augen bestückten Argos-Figur zeigen.

Die fotografischen Aufnahmen für die Bild-Collage entstanden im Trubel des berühmten Karnevals von Oruro. In dessen riesigen Holzmasken und wilden Tänzen leben noch Elemente der präkolumbianischen Religion fort. Die Figur des Riesen Argos stammt hingegen aus der griechischen Mythologie. Mit seinen vielen unermüdlichen Augen sollte Argos im Auftrag Heras einst eine schöne Kuh bewachen. Wie von Ovid in seinen Metamorphosen beschrieben, konnte er das sexuelle Begehren von Zeus jedoch nicht aufhalten. Mit ihrem Werktitel PSYCHASTHENIA referenziert die Künstlerin auf einen psychischen Zustand, bei dem man weiß, wo man ist, aber nicht das Gefühl hat, sich dort zu befinden.

Weitere Werke der beiden HERBSTGOLD-KünstlerInnen Ines Doujak und Martin Bischof sind parallel in der Ausstellung „Die Trafo-Clique. Materialerzählungen“ im benachbarten Kunstverein Eisenstadt zu sehen.