Die Brücke der zwei Wege

Unterhalb des Hauptwegs am Leopoldinenteich wurde 2025 nach alten Plänen ein Fußgängerpfad rekonstruiert, der einst vom Gärtnerhaus in Richtung Orangerie führte.
Für die Stelle, an der der gewundene Pfad über den historischen Bachlauf setzt, hat die britisch-polnische Künstlerin Kasia Fudakowski die Brücke der zwei Wege entworfen: Ihr Brückenkörper teilt sich in der Mitte und bietet Spaziergängern die Möglichkeit, einen Moment des Abstands zu erfahren. Von oben betrachtet hat die benutzbare Skulptur zudem die Form eines Auges. Tatsächlich ist sie eine Sehmaschine mit vielen Perspektiven, von ihr aus öffnen sich reizvolle Blicke in die Ferne hin zum Dom, zur Schlossfassade und zum Leopoldinentempel, aber auch auf die nahegelegene Wassertisch-Kaskade und – sobald der künstliche Kreislauf des Wassers wiederhergestellt ist – auf die schimmernden Flächen unterhalb der Brücke.
Das andere Motiv der Brücke ist gärtnerisch-musikalisch. Denn auch ihre Geländer sind sehr ungewöhnlich gestaltet: Bei genauem Hinsehen erkennt man einzelne Hände, die mit ihren Fingern an den Stangen zupfen als seien es Pflanzen oder die Saiten einer Harfe.
Damit reiht sich die Brücke in die Abfolge der Kaskaden und Wasserfälle des Bachlaufs, der einst wohl musikalisch komponiert war. Der unterschiedliche Sound des Wassers konnte im Nachgehen erlebt werden. Im klassizistischen Kanon der Künste entspricht die- sem tändelnden Vergnügen am besten die Muse Erato, Hüterin der Liebesdichtung. Ihr Attribut ist die Lyra, deren Saiten sie mit ihren Fingern sanft anschlägt. Zugleich erinnern die vielen Hände an den Fleiß und die permanente gärtnerische Pflege, die die Nutzgärten und Pflanzensammlungen der Orangerie sowie den umliegenden Landschaftspark seit über 200 Jahren zu ihrer Fülle und Pracht brachten und bringen.
