Im Frühling kehren die Schwalben zurück
Zwei Keramikköpfe von Gábor Kiraly, 2024
Neben dem alten Gutshaus stehen unter hohen Bäumen zwei glasierte Keramik-Köpfe. Während sich auf ihren Edelstahl-Podesten die grüne Umgebung schillernd spiegelt, wirken die Gesichter der haarlosen Köpfe angespannt, als wären sie in einem Moment intensiver Konzentration. Dabei strahlen ihre Gesichtszüge eine rohe und gleichzeitig verletzliche Präsenz aus, die fest im Material verankert ist. Durch die fließenden und doch erstarrten Glasuren entsteht der Eindruck eines Einzelnen, der zugleich geformt und verwundet wurde – ein Sinnbild für die emotionalen Belastungen der Existenz. Doch durch die Gegenüberstellung der beiden Köpfe, geschaffen vom ungarischen Künstler Gábor Kiraly (*1979), entsteht zugleich wiederum eine Relativierung und Einbettung in den Kreislauf der Welt. Auch der Titel der Werke betont das Zyklische der Natur.
Solch eine Rückbindung an archaische Formen findet sich auch in den einzelnen Keramiken: Die Glasur der grünlichen Skulptur erinnert an organische Oberflächen wie Moos, oxidiertes Metall oder etwa verwitterte Steine. Die rötlich-braune Skulptur hingegen besitzt eine wesentliche dramatischere Oberfläche. Ihre Glasurschlieren wirken fast wie Erde oder Ritualfarbe. Diese Oberfläche verleiht dem Werk eine Qualität als stamme es aus einer zerstörten und erst vor kurzem wiederentdeckten Kultur. Auf den Weinbau umgelegt erzählen die Skulpturen von der Bedeutung der „Terroirs“, also der Gesamtheit der natürlichen Faktoren wie Bodenbeschaffenheit und Klima, die dem Wein seinen Charakter verleihen.
Die spiegelnden Edelstahlsockel stammen von Valentin Bauer (*1997 in Mödling).
