Joie: Ein Himmelswagen in St. Margarethen (Pierre Szekely)

Kalksandstein, Höhe: ca. 220cm.
Pierre Szekely, 1962

Ihr sinnfälliges Verbinden von Tag und Nacht, Ausblick und Fokussierung, Himmel und Erde, Alpen und Pannonien haben die Skulptur „Joie“ zum Sinnbild und Logo für das gesamte Kultur- und Naturareal des Kogelbergs bei St. Margarethen werden lassen.

Pierre Szekelys Steinskulptur „Joie“ steht stellvertretend für die zahlreichen historischen „Kunst vor Ort“-Werke, die in den Bildhauersymposien von St. Margarethen entstanden. Ein guter erster Überblick zu allen verbliebenen Skulpturen findet sich hier.

Szekelys Skulptur ist aus vier Teilen zusammengesetzt: Die Basis bilden zwei kompakte Rollen, auf diesen lagert ein Würfel mit einer quadratischen Ausnehmung, über diesem Würfelblock wiederum balanciert ein sichelförmiger Stein. Zusammen gesehen ähnelt die Skulptur einer Mondbarke auf Rädern. Ihr Gegenstück ist die zur gleichen Zeit von Szekely in St. Margarethen produzierte Skulptur „Energie solaire“ (dt.: Sonnenenergie). In beiden Skulpturen stehen Mond und Sonne, Tag und Nacht somit in dialektischer Beziehung. Durch ihre Platzierung auf halber Höhe am Rand der Steinbruch-Schlucht inszeniert die Skulptur zudem die Perspektive in Richtung Rax und Schneeberg. Als Himmelswagen verbindet sie dadurch den alpinen mit dem pannonischen Raum.

Der Werktitel „Joie“ (dt.: Freude, Wonne) deutet allerdings noch auf eine dritte, eine erotische Lesart. Formal hat Szekelys Skulptur Ähnlichkeit mit einer berühmten surrealistischen Skulptur von Alberto Giacometti, der Plastik Boule suspendue (Schwebende Kugel) von 1930, bei der in einem quadratischen Käfig eine schwebende Kugel über einer ähnlichen Sichelform pendelt. Diese Symbolik passt heute natürlich gut zu den leidenschaftlichen Szenen bei den Opernaufführungen im Steinbruch.

Péter Pierre Székely (*1923 in Budapest; †2001 in Paris) war ein ungarisch-französischer Bildhauer. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs übersiedelte er zusammen mit der Künstlerin Vera Harsány nach Frankreich. Ab Ende der 1960er Jahre arbeitete Székely mit Vorliebe in den Granitsteinbrüchen in der Bretagne. Durch die Vermittlung von André Malraux erhielt Székely 1972 die französische Staatsbürgerschaft. In der ungarischen Stadt Pécs befindet sich im Amerigo Tot Museum ein Skulpturengarten mit seinen Werken.