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Die Zauberflöte, zwölfter Teil

by Magdalena Maller (* 1997 in Vilsbiburg, lives in Linz and Bavaria)

12-Teiliges Gemälde von Magdalena Maller

Auf große Erfolge folgen gerne Fortsetzungen. Das ist nicht nur im modernen Kino so, auch die Opernveranstalter des 18. Jahrhunderts kannten schon das Sequel. An der Fortsetzung des erfolgreichen Singspiels „Die Zauberflöte“ (Libretto: Schikaneder, Musik: Mozart, 1791) versuchten sich beispielsweise gleich mehrere Autoren, darunter auch Johann Wolfgang von Goethe.

Papageno hält einen Papagei auf seiner Hand
Bilddetail aus Magdalena Maller, die Zauberflöte, zwölfter Teil, 2022/2023 © Timo Afentulidis

Das Rennen machte letztlich Emanuel Schikaneder selbst mit „Der Zauberflöte zweyter Theil“, der 1798 uraufgeführt wurde. Wieder rotierte die Handlung um den Kampf zwischen der Königin der Nacht und Sarastro sowie um zahlreiche Prüfungen der Paare Tamino und Pamina sowie Papageno und Papagena. Und wieder war es formal eine krude Mischung aus heroischer Läuterungsgeschichte und komödiantischem Zaubermärchen. Auch Goethes Fragment gebliebene Version hätte diese Zweiteilung der Storyline beibehalten.

Das zwölfteilige Großbild, das die Künstlerin Magdalena Maller für die VOLIERE gemalt hat, schlägt hingegen ein anderes Szenario vor. Die zwei großen Figuren, die darauf halb als Mensch, halb als Vogel dargestellt sind, könnte man zunächst für Papageno und Papagena halten, doch ihre feinen Gesichtszüge passen nicht zu deren derb-lustigen Vogelfänger-Welt. Die bleichen Antlitze der ebenbürtigen Vogelwesen sind sich eher in einer Traumwelt der animistischen Symbiose begegnet. Malles Sequel lässt damit den freimaurerischen Anteil des Zauberflöten-Stoffes hinter sich und präsentiert stattdessen als Vorschlag zur „Menschheitsverbesserung“ eine allgemeine Vogelwerdung der Körper und Seelen. Als Komödie braucht der Stoff nur noch eine neue Komponistin/einen neuen Komponisten.

eine Statue eines Mannes auf einem Pferd vor einem Gebäude
„Papagenogruppe“ von Jacob Schroth am ursprünglichen Hauptportal des 1801 eröffneten Theaters an der Wien. Dargestellt sind Papageno mit seinen jüngeren Geschwistern in „Der Zauberflöte zweyter Theil“ (Akt I, Szene 16). Foto: Zyance