Der renommierte Esterhazy Art Award wurde in Budapest erneut vergeben

„Wir freuen uns sehr, bei diesem Projekt bereits zum 5. Mal mit dem Ludwig Museum Budapest zusammenarbeiten zu dürfen. Mittlerweile gilt der Preis als tonangebend für den zeitgenössischen Kunstmarkt, denn für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler bedeutet bereits die Nominierung den Beginn einer internationalen Karriere. Wir sind sehr stolz darauf, dass sogar zwei von unseren preisgekrönten Künstlern, Zsófia Keresztes und Márton Nemes, in den vergangenen Jahren auf der renommierten „Biennale di Venezia“ den ungarischen Pavillon bespielten. Wir hoffen sehr, dass einige der jetzt hier gezeigten Künstler diese Tradition weiterführen werden.“– so Stefan Ottrubay, Vorsitzender der Esterhazy Privatstiftung.
Da Künstler und Künstlerinnen als Seismografen der Gegenwart und Kundschafter der Zukunft gelten, bat die Ausstellung zum Esterházy Art Award 2025 die nominierten Künstler nicht nur um ihre Werke, sondern auch um eine kurze persönliche Antwort auf die Frage „What We Believe In – Woran wir glauben“. Motiviert ist der gleichzeitige Ausstellungstitel durch die gesellschaftliche Orientierungslosigkeit, die sich in den letzten Jahren breit gemacht hat. Tatsächlich kann man auch bei dieser Ausgabe des Esterházy Art Award leicht den Eindruck gewinnen, dass viele der künstlerischen Beiträge isolierten Inseln gleichen, auf die sich die Künstler zurückgezogen haben. Viele beschäftigen sich in ihren aufwändigen Installationen mit der eigenen Familiengeschichte oder einer individuellen Mythologie. Auch die „Glaubens-Antworten“ der Künstler und Künstlerinnen sind vielfältig und können in den Saaltexten nachgelesen werden.
In diesem Jahr gab es insgesamt 273 Einreichungen zum Esterhazy Art Award, davon schafften es 21 Positionen (24 Künstler und Künstlerinnen) auf die Short-List.
Nach mehreren Stichwahlen einigte sich die Expertenjury auf die folgenden Preisträger für den Esterhazy Art Award 2025: Gábor KOÓS, Gábor PAP und Dorottya VÉKONY. An sie ergeht der mit insgesamt EUR 15.000 dotierte Preis zu gleichen Teilen.
Jurybegründung zu Gábor KOÓS (✽1986 Lucenec, Slowakei, lebt und arbeitet in Budapest)
Gábor KOÓS’s Kunst ist von Selbstreflexion sowie von der Entstehung und Bewahrung von Erinnerungen geprägt. Er tastet Oberflächen ab, um zu erkunden, was sich darunter und dahinter verbirgt. Ein neues Werkzeug von Koós ist die Photogrammetrie: Aus zweidimensionalen Fotografien rekonstruiert er dreidimensionale Formen, was eine gewisse Indexikalität mit sich bringt – eine unbestreitbare Verbindung zwischen Dargestelltem und Darstellung. Die aus der Technologie resultierenden Glitches werden in der Punktwolke zu Spuren, die uns mit den Herausforderungen der Abbildung konfrontieren und gleichzeitig die Skulpturen in ihrer Materialität einzigartig und unwiederholbar machen.
Jurybegründung zu Gábor PAP (✽ 1991, Szentes, lebt und arbeitet in Öcsöd, Südungarn):
Ich bin gekommen, um den Cäsar der ungarischen Tiefebene auszuloben, nicht um ihn zu begraben.
Denn aus dem Hausmüll, dem dörflichen Abfall, dem Kompost des Kleingartens ist in zwei, drei Jahren etwas Originelles und Großartiges hervorgewachsen. Es ist inzwischen überflüssig, den Dichter Attila József zu zitieren, an den Maler Gyula Derkovits zu erinnern oder sich auf Basquiat zu berufen – denn Gábor PAP kam, sah und siegte. Denn er hat Großes geträumt und eine brandneue, originelle, ganz und gar „Pap-Gábor’sche“ Welt erschaffen – aus Jutesäcken und Autobatterien, aus Mausefallen und Malpaletten, aus Brotlaiben und Maschendraht, aus schlammigem Stroh und LED-Streifen, aus Energydrink-Dosen und geformter Leinwand.
Er hat dieses gigantische Lehm-Monstrum jenseits von Gottes Rücken, aber „sub specie aeternitatis“ erschaffen: die durch Wände brechende Riesenschlange, den sich selbst in den Schwanz beißenden Uroboros, den öko-mythologischen Urgeist eines Flussbetts, das zur Wüste wird, jenes trojanische Pferd, auf dessen Rücken Pap’s Dorf, Öcsöd, in den White Cube-Schrein der zeitgenössischen Kunst einreiten (einschlängeln) kann.
Jurybegründung zu Dorottya Vékony (✽1985, Debrecen, lebt und arbeiet in Budapest)
Dorottya VÉKONY forscht seit Jahren künstlerisch die Themen Fruchtbarkeit und Fortpflanzung und damit die Grundlagen von Leben. Während ihre bisherigen Arbeiten den Menschen im Fokus hatten, setzt sich die Serie «Extended Blooming» mit der Welt der Pflanzen auseinander. Umweltverschmutzung und Monokulturen führen zu einem Rückgang der Insektenpopulationen. Dorottya Vékony hat die Blumen deshalb so verändert, dass sie für die Insekten und damit die Bestäuber anziehender sein könnten, betreibt also eine Art fotografische Gentechnik. Die neuen Gentechniken und die Züchtung neuer Arten werfen aber auch komplexe ethische und ökologische Fragen auf. Optimierung und Leistungssteigerung führen zu Ungleichgewichten. So fragt die Installation auch danach, was in dieser Entwicklung echt ist und was Täuschung.
Die Jury überzeugte die konsequente Weiterführung des künstlerischen Themas. Während die Bilder auf den ersten Blick vor allem durch ihre Schönheit anziehen, eröffnen sie auf den zweiten Blick vielfältige Assoziationen und greifen aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auf. Die Installation schlägt eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Spekulation und künstlerischer Reflexion und regt zum Nachdenken über die Zukunft der Natur, die Verantwortung des Menschen und das fragile Gleichgewicht zwischen Technologie und Umwelt an.
Jurymitglieder:
Dr. Julia FABÉNYI, Generaldirektorin des Ludwig Museum Budapest - Museum für zeitgenössische Kunst
Barbara HORVATH, Kuratorin, Kunsthistorikerin, Leiterin von Part International Residency, Wien
Dr. Stefan OTTRUBAY, Stifter des Preises, Vorstandsvorsitzender der Esterhazy Stiftungen, Eisenstadt
Gábor RIEDER, PhD, Kunsthistoriker, Kurator, Kunstredakteur, Budapest
Eveline SUTER, Lizentiatin der Philosophie, Kunsthistorikerin, Kuratorin am Kunstmuseum Luzern
Zsuzsanna SZEGEDY-MASZÁK, PhD, Kunsthistorikerin, Kuratorin, leitende Museologin des historischen Bildarchives des Ungarischen Nationalmuseums, Budapest
Vitus WEH, Ausstellungskurator, Kunstberater der Esterhazy Privatstiftung
Über den Esterhazy Art Award
Der Kunstförderungspreis Esterhazy Art Award wird seit 2009 im Zwei-Jahres-Rhythmus für ungarische Künstler bis zum vollendeten 45. Lebensjahr vergeben. Ziel des Preises ist die Förderung der zeitgenössischen Kunst als auch des internationalen Dialogs.
Zusätzlich zu den drei Preisen der Fachjury wird 2025 wieder ein Publikumspreis ausgelobt. Auch die Gewinner des Publikum-Votings werden zur Ausstellung der Preisträger eingeladen, die im April 2026 im Schloss Esterházy in Eisenstadt eröffnet wird.
Die eingeladenen Künstler und Künstlerinnen werden dabei ihre zeitgenössischen Kunstwerke in einen spannungsreichen Dialog mit den historischen Prunkräumen aus dem 18./19. Jahrhundert von Schloss Esterházy stellen.
Wer die Esterhazy Art Award Ausstellung 2025 im LUDWIG MUSEUM verpasst hat, hat nun die Chance, die Ausstellung virtuell zu besuchen und in ihre räumliche Atmosphäre einzutauchen. Wir empfehlen für den vollständigen Genuss, Ihre Lautsprecher einzuschalten und sich mit den Navigationselementen durch die virtuelle Architektur zu bewegen. Vertiefende Künstlerinformationen erwarten Sie, wenn Sie auf die jeweiligen Werke klicken.
Ab April 2026 zeigen wir Werke der aktuellen Preisträger Gábor Koós, Gábor Pap, Dorottya Vékony, Tamás Melkovics und EJECH in der Bel Étage im Schloss Esterhazy.
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