Tasting Esterhazy: Mischwesen in der Feststiege Schloss Esterházy (Anne Speier)

Maße variabel. Stahl, PU-Schaum, Polymergips, Papiermaché, Aludibond.
Anne Speier, 2017

Skulptur

Die Feststiege erschließt das Schloss Esterházy über drei Etagen. Lichtdurchflutet führt sie zu diversen Ausstellungsräumen und zum prachtvollen Haydnsaal. Mit der ortsspezifischen Installation „Tasting Esterhazy“ der Künstlerin Anne Speier tritt erstmals eine Position der zeitgenössischen Skulptur mit diesem festlichen Ambiente in Dialog.

In zwei Muschel-Nischen der Feststiege stehen merkwürdige Mischwesen aus einem schrundigen Dinosaurier-Unterteil und einer riesigen, gewellten Zunge. Die Gestalten sind von unterschiedlicher Größe, Farbe und Oberflächenbearbeitungen. Ihre mit Geschmacksknospen übersäten Zungen schlängeln sich in der Luft, als wollten sie Witterung aufnehmen. Ihm Übergangsraum des Treppenhauses sind es monströse Mutationen zwischen Vergangenem und Zukünftigem: einerseits urtümlich, andererseits kapriziös und sensibel tastend.

Vor Ort ähneln die Skulpturen sowohl den grotesken Gesichtszüge der Maskarons im Innenhof des Schlosses als auch den großen Greifen, die das goldene Allianzwappen in der Feststiege flankieren. Sie eint eine verspielt-apotropäische Funktion.

Die beiden gewählten Muschel-Nischen wurden 2017 restauriert. Dabei kamen unter vielen Schichten die leuchtenden Farben des barocken Originalzustands zutage. Durch die Aufstellung der Skulpturen scheint es nun, als ob die Zungen-Dinosaurier die alten Farbschichten in ihrem Hunger nach Spuren feinsäuberlich freigelegt hätten.

Anne Speier (* 1977 in Frankfurt a.M.) lebt und arbeitet in Wien. Studium an der Universität für Angewandte Kunst Wien und der Städelschule Frankfurt a.M.. Einzelausstellungen (Auswahl): 2015: Feeling the Contemporary, Silberkuppe, Berlin; Seeing the Contemporary, Galerie der Stadt Schwaz, Tirol; Smuggeler, Neue Alte Brücke, Frankfurt.