Roter Doppelrohrpanzer, im Winter mit blauer Persenning als Segelschiff getarnt

Skulptur von Marcus Geiger (*1957 in Muri/CH) für Burg Forchtenstein. H/ L/ B: 115/ 600/ 140 cm, Holz und Farbe, 2018

Roter Panzer vor Burg Forchtenstein

Die Begriffe „Krieg“ und „Frieden“ sind nur scheinbar klare Gegensätze. Meist bezeichnen sie Situationen, die Übergangsformen sind. Krieg UND Frieden sind immer beides: Ruhe und Sturm. Für die einen ist eine Situation subjektiv ein Frieden, für die anderen ein kalter Krieg. „Kriege“, die beispielsweise im Privatleben schwelen oder toben, werden oft gar nicht wahrgenommen, geschweige denn erklärt. Ebenso gibt es Friedensphasen, die erst im nachfolgenden Krieg als solche erkannt werden.

Diese Ambivalenz, das Sowohl-als-auch, motiviert die skulpturale Dauerinstallation, die der Schweizer Künstler Marcus Geiger im Auftrag von Esterhazy NOW für das die trutzige Burg Forchtenstein entwickelt hat: Knapp über der Mauer der Unteren Bastei schwebt dort, getragen von einem Baugerüst, ein roter Doppelrohrpanzer. Dass der Panzer modellhaft gemeint ist, zeigt schon seine Größe, und er ist auch nicht aus Metall, sondern aus lackiertem Holz gefertigt.

Nun ist ein Panzer, dessen Kanonenrohr sich in zwei entgegengesetzte Richtungen öffnet, wehrtechnisch ein Eigentor: Jeder Schuss nach vorne ist zugleich ein Schuss nach hinten, getroffen werden Freund und Feind zugleich.
Gewidmet ist die Skulpturenaufstellung dem 370sten Geburtstag des Westfälischen Friedens. Die im Jahr 1648 in Münster und Osnabrück abgeschlossenen Verhandlungen beendeten den grausamen Dreißigjährigen Krieg, der zuvor halb Europa entvölkert hatte. Der Westfälische Friede gilt bis heute als ein großes Vorbild der Diplomatie.

Im Winter wird der Panzer mit einer blauen, vom Künstler maßgeschneiderten Persenning vor Witterung geschützt. Getarnt als harmloses kleines Segelschiff wartet er dann auf die nächste „Saison“.