zum Inhalt zur Navigation
Hugo Canoilas, 2026

Grüne Hunde

Die Skulpturengruppe der vier Keramik-Hunden stammt vom portugiesischen Künstler Hugo Canoilas. Gefertigt sind sie in der „teste composte“-Manier von Giuseppe Arcimboldo (1526-1593), also zusammengesetzt aus Stückwerk, das auch einzeln erkannt werden kann.

Das konkrete Baumaterial der vier Keramik-Hunde stammt aus dem Obst- und Gemüsegarten und reicht von Karfiol und Weißkohl bis Gurke und Brokkoli, daher der Werktitel: „Grüne Hunde“.


Positioniert sind diese kuriosen Steingut-Keramiken auf den vier historischen Steinsockeln der gewölbten Holzbrücke, die auf Höhe des zentralen Orangerie-Pavillons als Schnittstelle verschiedener Wege über den Bachlauf führt. Die Wiedererrichtung der Brücke erfolgte 2025, in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, nach alter Handwerkskunst nur mit Holzverbindungen. Historisch war sie die einzige Brücke im Park, die auch mit Kutschen befahrbar war. Gelegen ist die Brücke im hinteren Privatteil des Parks. Von den öffentlichen Wegen ist sie aber gut zu sehen. Begangen werden kann sie im Zuge von Führungen und Veranstaltungen.

In ihrer enigmatischen Art sind die Hunde sowohl Schutzgeister dieser Brücke als auch Allegorien des Übergangs allgemein. Zugleich verweisen sie auf die einstige Nahrungsmittelproduktion in der nahegelegenen Orangerie. Der Künstler selbst beschreibt sein Interesse wie folgt: „Hunde tauchen auch in meinen Gemälden häufig auf. Das hängt mit der Vorstellung zusammen, dass Hunde als Begleiter des Menschen Vermittler zwischen unserer Welt und anderen Dimensionen sind, seien es nun die Natur oder spirituelle Ebenen. Als ich kürzlich das New Yorker Museum „The Cloisters“ besuchte, war ich wieder erstaunt über die vielen Grabmäler mit Rittern und Priestern, an deren Füßen Hunde in Stein gemeißelt waren. Das hat seine Wurzeln in ägyptischen Glaubensvorstellungen und verbindet sich heute mit Ansätzen ökologischer Denker wie dem Philosophen Mark Alizart. In seinem Buch „Dogs: A Philosophical Guide to Our Best Friends“ (2019) stellt Alizart die Figur des Hundes als Denker dar – als einen, der fähig ist, das wahre Geheimnis der Menschheit zu erkennen. In seinem Essay wandelt der Autor die gängige Sichtweise auf den Hund als unterwürfiges Wesen in eine Ebene spiritueller Überlegenheit um, fähig, seine sanfte Kraft zu nutzen, um eine dominierende Rolle einzunehmen. Die Brücke ist für mich ein konkreter Durchgang, der symbolisch auch für andere Arten der Veränderung steht. Die vier Hundeskulpturen kennzeichnen diese Passage mit einer Vielzahl von Möglichkeiten, abhängig von ihren Nutzern. Die Skulpturen bestehen aus Obst und Gemüse, um ihnen Leichtigkeit zu verleihen und eine spielerische Beziehung zu den Passanten herzustellen, die ihre eigenen Vorstellungen in sie hineinprojizieren.“